Kulturgeschichte

Vom Kochen bis zur Kochkunst
Um die Höhen und Tiefen, den Aufstieg oder Niedergang eines Gewerbes bzw. eines Handwerks richtig beurteilen zu können, ist es erforderlich, sich mit dessen Geschichte zu befassen. Nur so ist es möglich, einen Überblick zu gewinnen und folgerichtig Schlüsse ziehen zu können.

Gegessen wurde zu allen Zeiten, auch „gekocht", zunächst allerdings nur in aller primitivster Art, lediglich als ein Beitrag zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Fleisch zu kochen oder zu braten führte zum Wandel der Eßgewohnheiten.

Schon in den ältesten biblischen Überlieferungen ist bereits von Gastmählern die Rede, bei denen ein gewisser Luxus getrieben wurde. Auch der Alkoholkonsum spielte eine Rolle. Kronzeuge dafür ist Noah, von dem es heißt, daß er eines Tages mehr getrunken habe, als er vertragen konnte.

Das Geburtsland der Kochkunst ist Asien, die Mutter alter Kulturen, der Wissenschaften, Tugenden und Laster. Hier entwickelte sich schon recht früh die Zunft der Feinschmecker. Von den asiatischen Ländern aus verbreitete sich die Kochkunst über Griechenland nach Sizilien und Italien. Mit der Eroberung Italiens durch Rom nahmen Künste, Wissenschaften und mit ihnen auch die Kochkunst einen allgemeinen Aufschwung. Griechische Philosophen, Poeten, Musiker und auch Köche prägten mit das kulturelle Leben in Rom, das zum Mittelpunkt der damaligen Welt wurde. Ungeheurer Reichtum sammelte sich dort an. Ist es da ein Wunder, daß der Luxus immer größer wurde und schließlich Dimensionen annahm, die zu Verschwendung führen mußten? So wird über den römischen Feinschmecker Marcus Gavius Apicius berichtet, daß er ein Vermögen für große Festgelage ausgegeben habe. Er war Zeitgenosse der Kaiser Augustus und Tiberius, deren Regierungszeiten als das goldene Zeitalter Roms bezeichnet wird. Seine letzte große Tafel kostete 49 Millionen Sesterzen. Nach dem Mahl trank er eine Schale voller Gift, da er befürchtete, daß sein Vermögen nicht ausreichen würde, um auch fernerhin in dem kostspieligen Luxus frönen zu können.

Noch bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. wird uns von ähnlichen gastronomischen Exzessen berichtet. Zu dieser Zeit liebten es die Germanen, außer dem Krieg nur noch die Jagd als eines freien Mannes würdiges Geschäft anzusehen.

Sie verstanden es schon früh, Fleisch zu kochen. An einer Stelle der „Edda" heißt es „...daß Kalbfleisch in Brühe steht...". Wild erfreute sich bis ins Mittelalter größter Beliebtheit. Während der Römerzeit gewöhnten sich die Germanen an die Eß- und Trinkkultur der Legionäre und Beamten, statt ihres Mets tranken sie Wein. Waren es doch die Römer, die den Weinbau an Mosel, Saar, Rhein und Main eingeführt hatten. Der Frankenkönig Karl der Große schätzte den Wein, und als besonderes Zeichen seiner Gunst schenkte er 777 der Abtei Fulda 8 Weinberge an der Fränkischen Saale. Ein Zeichen, daß die Nachfahren der Germanen eine feine Zunge für Wein und Speisen hatten. Doch erst im 16. Jahrhundert wurde in Deutschland neben dem Bier auch Wein ein Volksgetränk und wegen seiner Wirkung sehr populär.

Gerade den Mönchen verdanken wir die Überlieferung vieler alter Rezepte. Auch unsere Kochjacke stammt aus jener Zeit - eine abgeschnittene Mönchskutte mit zunächst zehn, dann zwölf Knöpfen. Sie liebten das Gute und Gediegene und boten den Reisenden Unterkunft und Verpflegung. Als Berufsköche kann man sie nicht bezeichnen, wohl aber ihre Tätigkeit auf gastronomischem Gebiet anerkennen. Ihre Pflege der Kochkunst hatte mehr wissenschaftlichen Charakter. Sie erfanden die „Fastenspeise", die vielfach das Fasten nicht zu einer Entbehrung, sondern zu einem Vergnügen machte. Man verzögerte die Stunde der Mahlzeit, um sich dann mit größerer Gier den Speisen hinzugeben.

Eine der ältesten Sammlungen deutscher „Küchenrecepte" ist in den Würzburger Pergamenthandschriften enthalten, die in der Universitätsbibliothek München aufbewahrt werden. Sie stammt aus dem 14.Jahrhundert und beginnt mit dem Satz „Dis buch sagt von guter Speise das machet die unverrihtigen [unverständigen] Köche wiese". Es ist ein Kochbuch für die Gaumenfeuden der Rittersleute gewesen und zeichnet die Anfänge der Kochkunst unserer Ahnen auf, denn „dis buch sagt von guter Speise" und ist eine „gute lehre von guter Speise". Diese mitteralterlichen und spätmittelalterlichen Rezeptüberlieferungen lassen schon Verständnis für diätische und medizinisch-therapeutische Probleme erkennen.

Nachdem sich der Ackerbau nach Karl dem Großen zu einer Naturalwirtschaft entwickelt hatte, arbeiteten die Handwerker in den Städten meist gegen Beköstigung. Die Folge war, daß die Landesverordnung von 1482 vorschrieb, daß sie einen Lohn in harter Münze erhalten durften. Verboten war es, den Handwerkern nicht mehr als zwei Bier, zwei Wein und mittags nicht mehr als sechs Gänge zu gewähren. Die Einführung des Münzewesens war der erste Schritt zur Geldwirtschaft, die dann die Patrizier groß, mächtig und reich werden ließ. Die weitgehenden Handelsbeziehungen der Kaufleute hatte zur Folge, daß sie verschwenderisch mit exotischen Gewürzen und Waren wirtschafteten. Geld als Zahlungsmittel ersetzte in immer größerem Umfang die Entlohnung in Naturalien, was z.B. zum noch heute gültigen Gastrecht führte.

Der weitverzweigte Handel der Hanse, vor allem in Deutschland und Nordeuropa, führte zu einer Verfeinerung der Eßkultur durch Verbreitung fremdländischer Speisen. Auch der blühende Handel mit Italien, Griechenland und dem Vorderen Orient, der Kaffee, Früchte, Gewürze, Glas, Papier, Tuch, Seide usw. nach Mittel- und Nordeuropa brachte, führte zu einer Entfaltung der Kochkunst.

Bis ins späte Mittelalter galt der Pfau in den Federn als ein Leckerbissen ersten Ranges. Viele der Tiere sind uns kaum noch bekannt oder stehen unter Naturschutz, wie Adler, Trappe, Fischreiher, Pfau, Rohrdommel, Meerschwein, Kranich, Bär, Igel, Schwalbe, Schwan, Strauß, Star und Zaunkönig. In der „Freßwissenschaft" von Michel de Montaigne war allerdings nur noch der Schwan von Bedeutung, dagegen behaupten Truthahn und Perlhuhn auch heute noch ihren festen Platz in der Küche. Mit Verwunderung lesen wir in alten Kochbüchern, daß man damals gefüllte Hirschmägen, Geschlechtsdrüsen von Hirschen, Biberschwänze, Ziegenhirn, Euter und Knödel aus Gänsemägen verspeiste. Marx Rumpolt bezeichnet ein ungeborenes Hirschkalb am Spieß als Leckerbissen für seinen Herrn und fügt hinzu, daß so mancher einfacher Bauer davon nicht mal probieren würde.

Soßen errangen ihre Beliebtheit erst im späten Mittelalter und waren als geschmackliches Gegengewicht zum überwiegend am Spieß gebratenen Fleisch gedacht. Saftige Braten vom Spieß oder Rost konnten nur erfahrene Köche erzielen, die diese Garungsarten beherrschten. Unser deutsches Wort Soße geht zurück auf lat. „ salsa" = gesalzene Brühe und bezeichnet eine flüssige bis sämig gebundene und mit allerlei Würzkräutern verfeinerte Beigabe.

Zu den Festmählern wurden die Tafeln reich geschmückt. Den Tisch bedeckte ein weit über die Ränder herabfallendes Tischtuch, mitten darauf stand das Salzfaß oder Salzschiff, ringsherum lagen die Brote. Gegessen wurde immer noch mit den Fingern. Die Gabel, obgleich sie bekannt war, wurde mehr zum tranchieren verwendet.

Im Mittelalter hatten die Franzosen wie auch die Deutschen von dem Luxus der römischen und griechischen Tafel- und Kochkunst keine Ahnung. In dieser Zeit ist daher auch kein nennenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Die Pestjahre im 14. Jahrhundert verhinderten die Entwicklung des Gast- und Beherbergungsgewerbes; ebenso hinderlich waren auch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, dem über 50 % der Bevölkerung zum Opfer fielen.

So machte die Kochkunst in Deutschland, im Gegensatz zu Frankreich, erst im 17 und 18. Jahrhundert ihre ersten Fortschritte. In Hamburg, Hannover, Berlin, Leipzig und Nürnberg erschienen verschiedene Kochbücher, die zwar an den Ruhm der bereits vorhandenen französischen Werke nicht heranreichten, doch legen sie Zeugnis davon ab, daß auch deutsche Köche schöpferisch tätig waren. Der Berufskoch freilich bezog sein hochgeschätztes Wissen nicht aus solchen Schriften, sondern mündlich in der Lehre und in der Küchenpraxis von seinem Meister.

Mit dem Ausbau der Handelsstraßen, an denen alle zwei bis drei Meilen ein Wirtshaus errichtet wurde, kam die Entwicklung unseres Gewerbes in Gang. Zwar mußten sich die Reisenden mit Pferdekutschen auf holperigen Wegen durchs Land quälen, doch standen ihnen, wie gesagt, vielerorts Unterkünfte zur Verfügung.

Die Anfänge des Berufstandes der Köche
Eine seltsame Mär erzählte man sich im 16. Jahrhundert über die Köche. Man glaubte damals, daß die Kochkünstler nicht viel essen, aber gleichwohl nicht mager aussehen würden. Man fragte sich, ob sie vom Geruch der Speisen lebten? Die Köche, „welche stets vor dem Feuer stehen, trincken offt und essen wenig". Die Dämpfe der Speisen, die mit der Luft eingesogen werden, würden den Appetit nicht fördern, sondern brächten eher eine Abstumpfung. Ein altes Sprichwort sagt:

„Wer Torten ißt den ganzen Tag - bald keine ferner essen mag".

So sei es nun mal mit den Köchen: Wird man ihnen etwas vorsetzen, was sie selbst nicht angerichtet haben „zum Exempel, ein Stück Lachs, so werden sie hurtig zugreifen und ohne Ekel essen“. Es sei ihnen subtil, die eigen Erzeugnisse zu verspeisen.

Einer der ersten hannoverschen Neubürger aus dem Jahre 1593 aus Misburrg war ein Küchenmeister, der dort einen „Freihof“ bewirtschaftete. Vorher war er Mundkoch des Herzogs Erich von Braunschweig-Lüneburg und seines Nachfolgers Herzog Heinrich Julius. Es ist hier die Rede von dem „Meister Franz de Rontzier", der im Gefolge der Prinzessin Dorothea von Lothringen, die im Jahre 1576 Herzog Erich ehelichte, nach Norddeutschland kam. Vermutlich stammte er aus Nancy und war wohl am fürstlichen Hof in Lothringen als Koch beschäftigt gewesen. Seit jener Zeit lebte er in Misburg, Braunschweig und Hannover, verfaßte ein Buch und führte Försterdienste im Misburger Amt aus. Zum Dank für treue Dienste schenkte ihm sein Dienstherr den 30 Morgen großen „Freihof" in Misburg nebst den dazugehörigen Försterdiensten. Auch die Abgaben von drei Vollmeierhöfen flossen ihm zu.

Als bestallter braunschweigischer Mundkoch verfaßte er das Buch „Kunstbuch von mancherley Essen/Gesotten/Gebraten/von Hirschen/Vogelen/Wildtprat/und andern Schawessen /so auf Fürstlichen / und andern Banketten zuzurichten gehörich" für seinen Brotherrn Herzog Heinrich Julius (1564 - 1617). Es ist nicht auszuschließen, daß der „erbare und wohlerfahrene Meister Rontzier" auf seinem „Freihof" in Misburg das Buch mit „allerhandt furnehme und außbündige stücke" diktiert hat. Die Beschreibung seiner Rezepte sind knapp und klar und geben eine typische mittelalterliche deutsche Küche wieder. Zum Ehrgeiz der Küchenmeister im 16. Jahrhundert gehörte es, Grundanleitungen für Rezepte mit mehr oder minder großen Variationsmöglichkeiten anzubieten. Seine Variationen werden immer durch ein „Item" (ferner) eingeleitet. In seinen Rezepten paßt er sich weitgehend seiner neuen Heimat an.

Köche, deren Namen seit dem 16. Jahrhundert in hannoverschen Kopfsteuerbeschreibungen, Kirchenbüchern usw. genannt werden, waren zumeist am Hofe, bei Herrschaften, Generälen, Grafen, Baronen, Hofräten und Fürsten beschäftigt. Nur einige waren selbständig und führten eine Gastwirtschaft, Schänke, Schlachterei oder Brauerei. Die am herzoglichen, später am königlichen Hof zu Hannover beschäftigten Köche waren privilegiert und erhielten nach der Dienstzeit eine gute Pension. So war es nicht absonderlich, daß mehrere Generationen einer Kochdynastie am Welfenhof beschäftigt waren.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zogen die Welfen von Celle nach Hannover und regierten von der Leine aus das Land. Fortan wurde die Stadt Hannover zur Haupt- und Rezidenzstadt. Aus dieser Zeit sind uns noch alte Folianten erhalten, die berichten, was Herren und Dienerschaft z.B. in der Pfingstwoche des Jahres 1647 verspeisten. In diesem Verzeichnis für den „Hannoverschen Hofstaat des Herzogs Johann Friedrich von Calenberg" werden die Speisen nach der Bedeutsamkeit der Tafelordnungen genannt. Nach der „Fürstliche Daffell" folgen ein „Neben Tisch", die „Junkern Daffell", der „Officirer Tisch", ein Tisch für „Altfrauwe und Mägde", der „Pagen Tisch", „Ein Tisch pfaltzgräfficher Stallherren und Gutsherren" sowie ein Tisch für „Jäger, Schmiede, Gutsherr Stall- und Jungkamerdienerschafft".

Bis zum Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648 vergingen noch einige Monate. Der erhaltene Speiseplan gibt Auskunft über die Kargheit der Speisen, hatten doch die fremden Heerscharen Deutschland in Schutt und Asche gelegt. In den Städten war alles Leben erstorben, ganze Häuserreihen lagen in Schutt und Asche. 1664 waren in Göttingen 290 Häuser noch nicht wiederaufgebaut. Berlin zählte 1650 nur 300 Bürger, in Northeim riß man 320 Häuser nieder, um Feuerung zu gewinnen.

Die Küchen an den Höfen wurden von einem Küchenmeister, der zu den Hofbeamten zählte, geleitet. Die Speisen wurden kernig und kräftig zubereitet. Mit dünnen Soßen und Suppen gab man sich nicht ab, sondern hielt sich an Fleisch und Fisch.

Die Speisen am hannoverschen Hof wurden unter der Aufsicht des königlichen „Mundkoch-Meisters" Nicolauß erstellt. Für alle gab es vorweg eine „Wein' suppen" oder „Specksuppen", dann gebratenen „Hasenrücken", gebratenen „Vogel", kleine Pasteten, Wildschweinschinken, gekochte junge Hühner, „Hirschwildtprädt", Kalbsbraten, gekochtes und geschmortes Rindfleisch, Kalbskopf, Schweinebraten, Ochsenklauen, Braunkohl oder Sauerkohl mit „Drögefleisch" und gefüllte „Lambsbrüste". Das Fischwerkangebot bestand aus: Zander, Stockfisch, „Ahle", „Carpen", frischem Lachs, „Cabbelau", Forelle, Scholle, Hering und Hecht. Die Fische wurden frisch und gesalzen verzehrt, und der „gepöckelte" Hering war ein schon damals weitverbreiteter Handelsartikel. Als Nachspeise reichte man am Sonntagabend „Pflaumen Buchen", Feigen- und Stachelbeertorte. Aus den Angaben über „Torten", Konfekte, Marzipane und Gebäcke, die damals auf keiner Tafel fehlen durften, wird deutlich, daß im 17. Jahrhundert der Koch auch gleichzeitig Konditor war. Für die Herren „Officirer" wurde öfters eine Schüssel mit „Saladt" aufgetischt.

Mit der Fertigstellung des Leineschlosses durch Herzog Georg von Calenberg im Dezember 1640 begann die Ara der Calenberger Herrscher in Hannover. Zumeist wohnten sie im ersten Obergeschoß und bezogen die Speisen der im Ostteil des Schlosses gelegenen Schloßküche. Alle Speisen wurden über die große doppelseitige Wendeltreppe befördert. Die Küchenstube lag ebenfalls im Erdgeschoß des westlichen Querflügels neben der Durchfahrt zum Inn' eren Schloßhof, die deswegen „Bogen vor der Küchenstuben" genannt wurde.

Unter Herzog Johann Friedrich von Calenberg (Regierungszeit: 1665 - 1679) hatte das Leineschloß an Wohnlichkeit und künstlerischer Ausstattung gewonnen. Das älteste Schloßinventar-, verzeichnis stammt von August 1669 und gibt den Zustand der damaligen Räume des Schlosses an. Unter dem Hofpersonal werden auch die Köche genannt, die im Schosse logierten.

Zum Wirtschaftsbereich gehörten folgende Räume: deutsche und französische Küche, Backkammer, Küchenstube, Wein- und Bierkeller, Brauhaus, Silber- und Zinnkammer, Ah- und Unterhaus, Schneiderei.

Dem Inventarverzeichnis ist zu entnehmen, daß die Bestecke und das Geschirr mehr aus Zinn und weniger aus Silber bestanden. Die Zahl der Personen, die im Schloß übernachten konnten, ergab sich aus den 66 inventarisierten Bettstellen. Fremdartige Buntheit ins Hofleben brachten nicht nur die Künstler und der italienische Lebensstil, nein, vor allem war es die französische Küche. 1677 wurden das Schloß und die Schloßküche vollendet, und darauf „wurde ein Broyhan getrunken!"

In Hannover gehörten die Köche nach der Kleiderordnung von 1651, die für die sechs Stände galt, als „Garköche" zu den Handwerksgesellen. In diesem fünften Stand befanden sich noch

Zimmeneute und Maurer, Weinschänker, Bäcker, Schmiede, Schuhmacher und Knochenhauer bildeten die „großen Ämter", die zum dritten Stand zählten. Somit ist erwiesen, daß es in Hannover den Berufsstand „Koch" schon früher gab. Sicher waren das Köche, die, wie der Name schon sagt, für eine große Gesellschaft etwas „gar" kochten. Für diese schwere Arbeit waren weniger die „Haushaltungsfrauen" als die Männer geeignet.

Ein recht nettes Bild von den Köchen seiner Zeit entwirft Paul Jacob Marperger in seinem Buche „Vollständiges Küch- und Keller-Dictionarium", Hamburg 1716. Er nennt die „Gnathones culinarii und beräucherte Küchen-Ratzen" ehrvolle und fleißige, absolute und souveräne Herren und Meister über Töpfe, Pfannen, Löffel und Kessel. Er bezeichnet sie als „Medici" und Apotheker, weil ihre Speisen für Gesunde und Kranke wohltuend seien. An den Werktagen gehen sie mit aller Gebühr in ledern, schmutzigen und nach dem „Besten-Fett" riechenden Kleidern daher und verrichten ihr „Ampt" in aller Herrlichkeit. Sie arbeiten immerfort und können „den ganzen Tag mit Fressen und Saufen aushalten". Ihre Zeit ist eingeteilt mit Sieden, Braten und Backen, Versuchen, Lecken, Schäumen, Feuerschüren und wenn die Zeit kommt, mit Anrichten. Man gesteht ihnen auch eine Passion zu: „...denn bisweilen beisset sie der Rauch in den Augen, bisweilen springt ihnen ein Funke ins Gesicht, bisweilen schütten sie sich selbst ein warmes Brühlein in die Schuh, davon sie gar artig tantzen lernen". Der Ort ihrer Tätigkeit ist die Küche, die nicht allein ihr „Raht-Haus, sondern auch gleichsam ihr Himmel ist". Sie sind Philosophen und diskutieren „...von der Kraft der süßen, sauren, harten, gesalzenen und ungesaltzenen, und auch lieblichen Speisen." Wenn sie sich „satt gefressen und gesoffen haben", hörten sie sich gerne singen. „Dass ihnen der Kopf wehe ruht vom Saufen, der Bauch strotzet von Fressen, ist nichts neues, sondern gleichsam ihr täglich Brod".

Ein guter Leibkoch war für die Herrschaft nicht weniger wichtig als ein kundiger Leibarzt, denn jener mußte, gestützt auf sein Wissen, ein geschmackvolles, gesundheitsförderndes Essen zubereiten. Häufig wurde er dafür reichlich belohnt. Fiel er aufgrund schlechter Leistungen in Ungnade, drohte ihm Strafe oder gar Entlassung, vor allem dann, wenn er Betrug und „Verschleppung" in der Küche nicht zu unterbinden wußte. Somit war ein Koch, der mit den Speisen in der Küche umgehen konnte und durch Gewürze und Zubereitung einen guten Geschmack erzielte, sehr gefragt. So beschreibt 1604 der Churfürstliche Mainzer Mundkoch Marx Rumpolt in seinem „Ein new Kochbuch" den idealen Küchenmeister wie folgt: Er soll „morgens auf das aller früste auffheben, wacker, lustig, arbeitsam, unverdroßen, fein sauber, sittsam und reiniglich sein". Dem Einkäufer soll er sich unterordnen und von ihm anleiten lassen. Er soll schreiben, lesen und rechnen können und immer sauber gekleidet sein. Es werden ihm auch „kräftige Wörtlein" zugestanden, wenn er über die Kleidung der Hofmeister und Unarten seiner Berufskollegen wettert. Er nennt sie „Hofaffen" und „Narren" und beschwert sich über ihren nur halb bedeckten „Arß". Ferner schreibt er, der Mundkoch soll sein ehrlich, aufrichtig, treu, gesund, sauber und fleißig. Ihm wird empfohlen, weiße Tücher, saubere „Hämmer" und Kleider zu tragen. Der Bart und die Haare sollen zierlich „abgekürzet" und „abgekolbet seyn". Er soll schreiben, lesen und rechnen können und immer sauber gekleidet sein. Er soll den Geschmack seines Herrn ablauschen und die Stunde, wenn dieser zu essen wünscht, genau einhalten. Wenn er seinem Herrn das Essen bringt, soll er feine, weiße und nicht schwarze, schmutzige oder schäbige Hände haben. Und weil das Wohlergehen der Herrschaften nicht wenig von ihren Köchen abhängt, so ist es vonnöten, daß die Köche von Jugend an, von vierzehn und fünfzehn Jahren, in dieser Kunst unterrichtet werden. Weiter solle ein Küchenmeister nicht ein dahergelaufener Offizier und Diener sein. Sein Vorleben und sein Elternhaus sind ausgiebig zu erforschen. Zum Schluß spricht Rumpolt den Wunsch aus, daß der Herr des Hauses seinen Haus- und Küchenmeister gut behandeln soll, so daß ihm nichts anderes in den Sinn kommen könne, als gute Speise für ihn zuzubereiten.

Solche Küchenmeister kamen im allgemeinen durch königlichen Erlaß zu diesem Titel. So wurde z. B. der Koch Paul Würfel von Seiner Königlichen Hoheit Friedrich Leopold von Preußen 1898 zum Küchenmeister ernannt .

Küchenmeister waren seit jeher meist weitgereiste Menschen, die in der ganzen Welt zu Hause waren. So behauptete Marx Rumpolt von sich 1581, seine Profession in Italien, Rußland, Preußen, Polen, Ungarn, Böhmen, Österreich, in den Niederlanden und in „Teitschlandt“ erlernt zu haben. Er war gebürtiger Ungar, mußte mit seinen Eltern wegen des „Erbfeindt der Türck(en)“ seine Heimat verlassen.

Für die Neuzeit ist der Februar 1935 mit 89 Jahren verstorben Auguste Escoffier zu nennen, der sein Berufsleben in Deutschland, England, in der Schweiz und in seinem Heimatland Frankreich verbrachte.

Text aus "100 jährige Geschichte der Hannoverschen Köche von 1891 e.V.".
Wir danken Herrn Hans Joachim Große Gorgemann, Hannover 1991



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